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26. Mai 2026
Wisent, Wald und Wodka

Die polnische Delegation am ERC 2025 hatte sich entschieden, eine Studienreise für Ranger zu versteigern. Sowohl wir Swiss Rangers als auch die Spanier erhielten den Zuschlag. Im "Paket" enthalten war eine ganze Woche in polnischen Nationalparks, begleitet durch Ranger und weiteres Nationalpark-Personal. Am Montagmorgen wurden wir in Warschau abgeholt vom Fahrer Mirek welcher uns im Laufe der Woche einer der liebsten Begleiter wurde. Erste Station unserer Reise und "Homebase" während der Woche war der Nationalpark Biebrza. Der Nationalpark Biebrza (BbPN) wurde 1993 gegründet und ist mit rund 600 Quadratkilometer der grösste von den derzeit 23 Nationalparks in Polen (entspricht mehr als dem dreifachen des Schweizer Nationalparks). Begrüsst würden wir herzlich und höchstpersönlich vom Nationalparkdirektor Artur Wiatr und Vizedirektor W?odzimierz Wróblewski. Artur war es auch, der uns eingeladen hatte. Ein Hauptziel des Nationalparks ist die Erhaltung der ausgedehnten Torfmoore und Feuchtgebiet. Und diese bekamen wir zu sehen unter fachkundiger Leitung von W?odzimierz, der nicht nur fliessend Deutsch sprach, sondern auch noch in dieser für ihn fremden Sprache sämtliche, aber wirklich sämtliche Vögel bestimmen konnte, welcher wir erspähten. Beispiele gefällig? Wir sahen: Kraniche, Blaukehlchen, Kiebitze, Feldlerchen, Seeadler, Schreiadler und viele mehr. Den ersten Tag beendet wir mit unseren Gastgebern mit einem wahren Festmahl von polnischen Spezialitäten - in fester und flüssiger Form. Das sollte uns als Konstanten durch die Woche begleiten. Den zweiten Tag starteten wir mit einer Präsentation von Dario Bayani, Delegationsleiter und Vorstandsmitglied der Swiss Rangers. Das Team des Nationalparks war dazu eingeladen und folgte den Ausführungen interessiert. Es gelang Dario aufzuzeigen, wie komplex die Ranger-Struktur in der Schweiz ist. Anhand der sieben anwesenden Swiss Rangers liess sich das exemplarisch erklären, so vielfältig sind unsere Aufgaben und Anstellungen. Trotz grosser Unterschiede in Organisation und Struktur zeigte die anschliessende Diskussion aber, dass sich Ranger bestens auch über Grenzen hinweg verstehen und am gleichen Strick ziehen. Anschliessend besuchten wir eine Wildtier-Auffangstation des Nationalparks. Und eine geführte Wanderung brachte uns immer näher an die sehnlich gewünschten grossen Herbivoren. Elchlosung lag am Wegesrand. Und die ersten konnten bereits einen der Vertreter der grössten europäischen Hirschart aus sehr weiter Distanz sehen. Der nächste Tag führte uns in den Bia?owie?a-Nationalpark. 1932 gegründet ist es der älteste Nationalpark Polen und bekannt für den gleichnamigen Urwald mit seinen Wisentherden. Und wie eingangs erwähnt konnten wir diese schon am ersten Tag erspähen. Aber es sollte noch besser werden. Am Donnerstag ging es um 6 Uhr los zu Fuss in den Urwald. Dies Kernzone darf nur mit Guide begangen werden. Barbara übernahm die kundige Führung. Kaum waren wir in den frühlingshaften Wald eingedrungen, erspähten wir Bewegung. Hinter uns trat ein Wisent aus dem morgennebligen Wald und im Licht der aufgehenden Sonne auf den Weg. Es schien, als ob der Urzeitriese in Zeitlupe über den Weg schritt und sich uns präsentierte. Dann verschwand er auf der anderen Seite, bevor ihm zwei weitere Exemplare dieser mächtigen Tiere folgten. Ein magischer Moment! Und magisch sollte es bleiben. Gigantische Bäume wie Eschen, Eichen, Linden und Hagebuchen säumten unseren Weg. Unsere Exkursion führte uns bis rund 3 Kilometer an die belarussische Grenze. Sie ist mittlerweile mit einem durchgehenden Zaun gesichert und lässt auch kaum mehr Wildtiere durch. Plötzlich waren die Spannungen in Osteuropa und Russland greifbar und real. Auch in diesem Park wurden wir nicht von dannen gelassen, bevor wir uns präsentieren konnte. Nach den Vorträgen führte uns der Weg zurück in den Nationalpark Biebrza. Als wir dann auf dem Rückweg noch eine Elchkuh mit ihren beiden Kälbern äsen sahen, war der Tag perfekt. Eine Besonderheit wartete am letzten Tag. Mit Kanus und Guide befuhren wir die Biebrza, den Fluss nach dem der Park benannt ist. Auf unserer rund dreistündigen Tour erlebten wir Park und Vogelwelt nochmals von einer ganz anderen Perspektive. Danach ging es zurück nach Warschau. Es war eine Woche voller Freundschaft und toller Natur. Wir möchten uns an dieser Stelle nochmals herzlich bei allen Mitarbeitenden der polnischen Nationalparks bedanken, die uns so gastfreundlich aufgenommen haben. Allen voran Artur Wiatr, der den Austausch initiiert hatte. Wir hoffen, wir können unsere polnischen Kolleginnen und Kollegen eines Tages in der Schweiz willkommen heissen.

Text Urs Wegmann




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